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Wenn Wartezeit zur Entwicklungszeit wird

  • praxis-prediger
  • 19. Juni
  • 1 Min. Lesezeit

Es gibt Momente, in denen Familien sich entscheiden, Hilfe zu suchen – und dann kommt erst einmal das Warten.


Auf einen Therapieplatz. Auf den Anfang. Auf Entlastung.


Und ich möchte gleich am Anfang ganz klar sagen: Diese Wartezeit ist oft keine leichte Zeit.


Für viele Familien ist sie geprägt von Unsicherheit, von Erschöpfung und manchmal auch von dem Gefühl, allein gelassen zu sein mit etwas, das eigentlich gerade dringend Unterstützung bräuchte.


Dieses Gefühl ist berechtigt. Und es verdient Anerkennung, nicht Relativierung.


Gleichzeitig erlebe ich in meiner Arbeit immer wieder, dass diese Übergangszeit eine besondere Qualität haben kann – nicht im Sinne von „es ist schon okay so“, sondern im Sinne von:

Es passiert auch in dieser Zeit bereits etwas.


Manchmal ist es ein erstes Verstehen in der Familie.

Manchmal ein vorsichtiges Sortieren der eigenen Gedanken.

Manchmal der Moment, in dem Eltern beginnen, das Verhalten ihres Kindes anders einzuordnen – weniger als „Problem“, mehr als Ausdruck von Belastung.


Das bedeutet nicht, dass das Warten gut ist. Und es bedeutet auch nicht, dass es keinen früheren Beginn bräuchte, wenn Hilfe dringend ist.


Aber es bedeutet:

Diese Zeit ist nicht „nichts“.


Sie ist eine Zwischenzeit. Und Zwischenzeiten gehören zur Entwicklung dazu – auch wenn sie sich schwer anfühlen.


Ich sehe in meiner Praxis oft, wie viel Druck bereits vor dem ersten Termin entstanden ist. Und manchmal kann es entlastend sein, wenn diese Zeit nicht nur als Stillstand erlebt wird, sondern als etwas, das verstanden werden darf.


Nicht als Lösung.

Sondern als ein kleines Innehalten in einer ohnehin sehr belastenden Situation.


Entwicklung braucht Zeit. Und manchmal hilft es, sie kurz anzuhalten, um sie besser zu verstehen.

 
 
 

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